Fehler mit Folgen sind auch bei der Vollwerternährung möglich

Eine gesunde Ernährung trägt in wesentlichem Maße dazu bei, dass sich Menschen wohlfühlen und länger leben. Die Vollwerternährung wird in dieser Hinsicht gemeinhin als äußerst positiv bewertet.

Eine gesundheitsbewusste Ernährung ist für viele Menschen in den industriellen Ländern von großer Bedeutung. Dahinter steht die Erkenntnis, dass so in erheblichem Maß das eigene Wohlbefinden gesteigert und die Lebenserwartung verlängert werden kann. Die Vollwerternährung spielt in der Diskussion der letzten Jahrzehnte eine wesentliche Rolle, wenn es um gesunde Ernährung geht. Was zeichnet die Vollwerternährung eigentlich aus, und wo können unter Umständen Fehler liegen?

Die Wurzeln der Vollwerternährung reichen bis ins 19. Jahrhundert. So richtig in das Bewusstsein der Menschen ist sie jedoch erst in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gelangt, als Werner Kollath 1942 sein Buch "Die Ordnung unserer Ernährung" veröffentlicht hat. Eine gesunde Ernährung hat übrigens auch in der Zeit des Nationalsozialismus eine wichtige Rolle gespielt. Das spiegelt sich unter anderem in der Gründung eines "Reichsvollkornbrotausschuss" im Jahr 1939 wider. Für Kollath gehörten zur Vollwerternährung möglichst unbehandelte und frische Nahrungsmittel. Er hat Lebensmittel in sechs unterschiedliche Stufen eingeteilt. Die erste Stufe sind unverarbeitete, frische Lebensmittel, die folgende sind mechanisch veränderte Lebensmittel, in den weiteren Stufen sind enzymatisch veränderte Lebensmittel, hitzebehandelte Lebensmittel, konservierte Lebensmittel und Lebensmittel, in denen isolierte Substanzen enthalten sind. Die ersten drei Lebensmittel sind nach Meinung von Kollath positiv zu bewerten. Seine Theorien wurden im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verfeinert. Heute gilt, dass zu einer Vollwerternährung neben frischen, unbehandelten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Kartoffeln auch eine geringe Menge Fleisch oder Fisch durchaus zu vertreten ist. Wichtig ist demnach vor allem jedoch, dass die Lebensmittel ökologisch einwandfrei angebaut und fair gehandelt werden. Vor allem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (gegründet 1953), die Internationale Gesellschaft für Nahrungs- und Vitalstoff-Forschung (gegründet 1954) sowie der 1981 ins Leben gerufene Verband für unabhängige Gesundheitsberatung haben zur Weiterentwicklung von Kollaths Theorien einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Die Entwicklung ist jedoch nicht stehen geblieben. Heute wissen die Experten, dass bei einigen Menschen Rohkost erst zu Verdauungsproblemen und -beschwerden führen kann. Für sie ist die klassische Vollwerternährung also nicht geeignet. Ein weiterer Punkt ist die Kalorienmenge. Eine Zusammensetzung aus 50-60 % Kohlenhydrate, 30 % Fette und 20 % Eiweiß gelten heute als ideal. Wer sich also für eine Vollwerternährung mit viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten entscheidet, sollte unbedingt darauf achten, dass es zu keiner Mangelernährung kommt, indem zum Beispiel zu wenig Fette aufgenommen werden.

 
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